Freitag, 24. Juli 2009

Der Konflikt um das/in dem/außerhalb des Internets

In der aktuellen c't kann man ein sehr gelungenes Editorial über den politischen Konflikt um das Internet lesen. Über Lösungen desselben zu diskutieren ist müßig, da bereits allerorts darüber gestritten wird. Ich möchte mich jetzt eher mit der Ursache des Konfliktes auseinandersetzen. Vorneweg möchte ich anmerken, dass des Text, trotz der expliziten Schreibweise nur eine Meinung bzw. Auffassung oder Ansicht ist.

Ich denke der Konflikt liegt im Wesen des Internets (bzw dessen Perversion) selbst: Anfangs war es ausschließlich für technisch versierte Nutzer gedacht und es erfüllte seinen Zweck. Dann kamen die Hobbyisten bzw. Hacker. Sie erweiterten das Netz, richteten Kontaktplattformen für den Austausch unter einander ein, errichteten quasi eine eigene Kultur und alles funktionierte weiterhin. Als die ersten Geschäftemacher kamen, kam zwar auch Kriminalität auf, aber diese gibt es schon seit jeher im realen Leben.
Erst mit der "Ankunft" der Massen und somit auch der häufig genannten Idioten, Pädophilen und anderen Problemgruppen begann das Netz zu "kippen" (oder zumindest die Teile, die von diesen bevölkert werden). Und wo die Massen hinströmen kommen Politiker, um Stimmen ringend, hinterher (z.T mit großer Verspätung).
Diese zum größten Teil unwissenden und ignoranten Gruppen sind mit den Möglichkeiten, welche ein für Technikkundige entworfenes Netzwerk bietet, überfordert und meinen diesem Grenzen setzen zu müssen, was ja durchaus Begründet ist (KiPo), aber nicht zur Kultur des Netzes kompatibel (geschweigedessen zur Technik). Dazu kommt der Verdacht auf versuchte Zensur.
Nun hat man vier, z.T. fließend ineinander übergehende, Gruppen
  1. Die "Erbauer" des Netzes, meist Hacker (vlg. "elder days"). Sie bildeten ihre eigene Kultur und sehen diese durch Ignoranz und (vermutete) Machtgier bedroht. Teilweise ziehen sie sich zurück, denn sie wissen, dass nie das ganze Internet kontrolliert werden kann; andere verteidigen "ihr Netz" und ihre Kultur durch Hacktivismus.
  2. Die Politiker (bzw. Organisationen, vgl. Suits und Links am Ende). Sie wollen und müssen aufgrund ihres Amtes das Internet, was für sie nur ein Medium wie Zeitung ist, an rechtsstaatliche Normen anpassen. Andere (GEMA, GVU) wollen es kontrollieren um mehr Profit zu machen. Diese und die vorherrschende Unwissenheit unter Politikern sorgen für Unmut im Internet. Im folgenden nenne ich sie der Einfachheit halber nur noch "Suits"
  3. Die eigentlichen Kriminellen: Diese Gruppe nutzt das Internet für ihre Zwecke aus. Diese reichen von Filesharing über Betrug bis zu KiPo (und je nach Definition darüber hinaus). Außerdem sind sie Schuld am Ruf und Zustand des Internets als Spam und Virusschleuder.
  4. Die große (z.T dumme) Masse: Sie hat das Internet als Spielzeug entdeckt. Mit Onlinegames, Seiten wie Youtube und vorallem Pornographie hat sie das Erscheinungsbild des Netzes nach außen hin geprägt. Beim Begriff "Internet" denken sie an ihre bunte Welt aus sozialen Netzwerken und dergleichen. Sie springen auch gerne auf den Hackerzug auf oder machen Randale, weil ihre Netzkultur bedroht ist (vgl Link zum c't Editorial).
Nun versucht die Gruppe der Suits auf die Kriminellen zu schießen. Allerdings werden ihre Methoden für Schrotflintenmethoden gehalten, da sie unweigerlich auch die Hacker und die Masse trifft. Diese sind entsprechend erzürnt und wettern gegen die Suits, übersehen großenteils jedoch die Kriminellen, welche zur Sicherheit aller eigentlich ausgeschaltet werden müssten. Komplizierter wird es dadurch, dass alle Gruppen auch Mitglieder einer anderen enthalten sein können. Die Masse ist häufig kleinkriminell, Blackhat Hacker begehen manchmal größere Verbrechen und Suits sind oft korrupt. Durch die Unschärfe dieser Gruppierungen entsteht der oben erwähnte "Schrotflinteneffekt".
Was ist nun die Reaktion?
Da das "echte Leben", hier die Politik in das Internet eindringt, schlägt dieses genauso zurück: Neben viel Diskussion und kleinerem Aktivismus kam die Gründung der Piratenpartei. Wie das Internet ist sie schwer zu beschreiben; sie soll International werden, hat so gesehen keine definierte links/rechts Ausrichtung und weist im Vergleich zu "normalen" Parteien noch weitere Merkwürdigkeiten auf. Sie passt nicht ins normale Schema. Dies verursacht Verunsicherung und Abneigung bei Menschen, die Unbekanntes in für sie bekannte Konzepte einordnen müssen. So verhält es sich wiederum auch mit Internet und realem Leben, womit ich wieder am Anfang meines Artikels angekommen wäre:
Das Problem ist die vollkommen fremdartige Kultur, die aus einem Raum gekommen ist, der nicht mit der bisherigen Welt harmoniert, und jetzt sich mit unserer vermischt. Die Unschärfe des Internet ist ansteckend. Für Außenstehende ist das beängstigend, für die anderen eine willkommene Entwicklung. Hier kommen also Generationskonflikt, Angst & Unwissenheit, shcliechende Unschärfe und vorallem eine Kulturkonfrontation zu einem sehr großem Konflikt zusammen.

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