Nachdem Lightmaster mich dazu gebeten hat einen Artikel zur Lage im Iran zu verfassen und er sich selbst zensiert hat, leiste ich seiner Bitte folge:
Die Ursprüngliche Frage war, ob man als Außenstehender etwas tun kann um zur Entspannung der Lage beizutragen. An diesem Punkt muss man bedenken, dass der Iran keine Bananenrepublik ist. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Iran von Mahommad Mossadegh angeführt. Die USA stürzten ihn und ersetzten ihn durch den Schah (deutsch: König). Ayatholla Chomeni (nicht zu verwechseln mit dem heutigen Ayatholla Khamenei) entfachte jedoch die islamische Revolution, nach der per Volksentscheid eine islamische Republik ausgerufen wurde. Die Macht liegt vor allem bei den Ayathollas und weniger beim Präsidenten. So viel zur Vorgeschichte.
Das Volk meutert momentan gegen den Präsidenten und (noch) nicht gegen die Ayathollas (zumindest scheint es mir so, auf Al Jazeera habe ich noch nichts von Protesten gegen Khamenei gelesen). Dies erscheint für Westler, die einen Präsidenten als Staatsoberhaupt gewohnt sind, schon wie ein Staat der kurz vor dem Zusammenbruch steht. Die Proteste sind zwar recht heftig, jedoch beschränken sie sich auch Städte im Westen des Landes. Die Landbevölkerung im Osten steht meist hinter Ahmadinejad.
Was soll bzw. kann man also tun? Ich denke: nichts.
Das Volk hat schon mal einen von außen diktierten Schah gestürzt und einem von außen diktiertem oder auch nur unterstütztem System kann es ähnlich ergehen. Letztenendes werden die Iraner wieder selbst bestimmen wohin sie wollen, zur Not auch mit Gewalt. Genauso hat es sich damals Europa geregelt. Viele blutige Revolutionen, durch die sich die Menschen einem für sie optimalen System annäherten. Ebenso kann es jetzt in der persischen Welt kommen. Wenn andere Staaten eingreifen und nicht mehr "scharf kritisieren" werden diese nur eine weitere Zeit der Unruhe heraufbeschwören. Dies wird am Beispiel Afghanistan und Irak deutlich: Ein extremes Eingreifen seitens der Amerikaner hatte eine extreme Unzufriedenheitsreaktion des Volkes zur Folge. Nur durch den Knüppel Europas und Amerikas konnte eine Revolution unterdrückt werden.
Daher sollte sich der Westen aus iranischen Angelegenheiten weitestgehend heraus halten um nicht zusätzlich zu schaden. Ich glaube, dass sich dieser Staat selbst organisieren kann. Entweder er bleibt bei den Ayathollas mit Ahmadinejad oder er setzt an dessen Stelle Moussavi ein. Oder er wendet sich ganz von den Ayathollas ab. Wer weiß?
EDIT: Eben habe ich in den Nachrichten gehört, dass der Richterrat Neuwahlen strikt abgelehnt hat. Jetzt hören die Proteste entweder langsam auf, oder es gibt eine Revolution.
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